
Fast delivery or local pickup | Glazes without labelling | German production
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by Luna Conradus September 11, 2026
Dieselbe Glasur, dieselbe Temperatur, dasselbe Ergebnis - das gilt nur, solange auch der Ton derselbe ist. Wechselst du von hellem auf roten oder schwarzen Scherben, verschiebt sich die Farbe, manchmal um Nuancen, manchmal so weit, dass von der ursprünglichen Farbe nichts übrig bleibt. Das ist kein Fehler und kein Zufall: Wie stark der Ton mitspricht, hängt an einer einzigen Eigenschaft der Glasur - ihrer Deckkraft.
Glasuren lassen sich nach dem Grad einteilen, in dem sie den Untergrund noch durchscheinen lassen. Das ist die wichtigste Angabe, wenn du den Ton wechselst.
Die Kurzformel lautet: Je transparenter die Glasur, desto mehr Ton siehst du. Wer die Farbe kontrollieren will, greift zu deckend; wer Tiefe und Charakter will, arbeitet mit halbtransparent - und plant den Ton als Gestaltungsmittel ein.
Roter Ton enthält Eisen, das ihn beim Brand rötlich bis rotbraun färbt. Unter einer halbtransparenten Glasur wirkt dieser Untergrund wie eine zusätzliche Farbschicht: Die Glasur wird dunkler, wärmer und satter. 9104 Cognac, der honigfarbene Klassiker, fällt auf rotem und schwarzem Ton entsprechend dunkler aus.
Manchmal ist der dunkle Ton sogar der eigentliche Zweck. 9221 Vogelei, die beige Glasur mit braunen Sprenkeln, kommt auf rotem und schwarzem Ton am besten zur Geltung. Und 9224 Aventurin, ein rötliches Braun mit Glitzereffekten, wird auf dunklen Tonen besonders lebhaft.
Es gibt aber auch den Punkt, an dem der Ton gewinnt. Am deutlichsten zeigen das 9343 Flaschengrün und das verwandte 9344 Olivgrün: auf schwarzem Ton bleibt von der Farbwirkung nicht viel übrig. Zwei kräftige, klassische Kachelgrüns - und auf schwarzem Scherben bleibt von der Farbe kaum sichtbares erhalten.
Umgekehrt gilt dasselbe für helle Töne: 9353 Orientblau, ein kräftiges halbtransparentes Türkis, leuchtet besonders auf hellem Ton. Wer es auf dunklem Scherben verwendet, bekommt ein anderes, gedämpfteres Blau.
Selbst Transparentglasuren sind nicht neutral: 9106 Transparent kann auf dunklem Ton milchig werden. Eine Glasur, die auf weißem Ton unsichtbar ist, legt sich auf schwarzem Ton als Schleier darüber.
Die Ursache liegt im Eisen. Rot brennende Tone enthalten Eisenoxid, das ihnen die Farbe gibt - je mehr davon, desto dunkler der gebrannte Scherben. Bei schwarz brennenden Massen kommen weitere färbende Oxide dazu.
Unter einer Glasur passiert damit zweierlei. Erstens wirkt der farbige Scherben wie eine untere Farbschicht, durch die hindurchgesehen wird - das ist der sichtbare Teil. Zweitens ist der Übergang zwischen Glasur und Scherben keine saubere Grenze: Beim Brand reagieren beide miteinander, und Bestandteile des Tons wandern in die Glasurschmelze. Genau deshalb verschiebt sich der Farbton, statt nur abzudunkeln.
Für die Praxis heißt das: Der Ton ist kein neutraler Träger, sondern ein Bestandteil des Ergebnisses. Wer die Tonsorte wechselt, wechselt auch die Farbe - selbst wenn Glasur, Auftrag und Brennkurve exakt gleich bleiben.
Es gibt Glasuren, die auf hellem Ton schlicht wirken und erst auf dunklem interessant werden. 9346 Antikweiß ist so eine: auf weißem Ton schlicht und edel, auf dunklem Ton mit interessanten Effekten - eine Glasur, die zwei verschiedene Gestaltungen erlaubt, ohne dass du etwas anderes tun musst als den Ton zu wechseln.
Dieselbe Logik gilt für strukturierte Tone. Auf einem Sprenkelton, dessen dunkle Punkte erst im Brand hervortreten, zeigt eine deckende Glasur bei niedriger Temperatur nichts davon. Erst wenn die Glasur im Hochbrand glasiger und durchscheinender wird, kommen die Punkte durch. Bei den PRO-Glasuren lässt sich das an einer einzigen Farbe über drei Temperaturen durchspielen.
Am anderen Ende der Skala stehen weiß brennende Massen und Porzellan. Sie enthalten wenig oder kein färbendes Eisen, und genau deshalb sind sie der Referenzuntergrund: Was du auf weißem Scherben siehst, ist die Farbe der Glasur selbst.
Für Farben, die leuchten sollen, ist das der richtige Grund - ein kräftiges Türkis etwa kommt auf hellem Ton am stärksten. Wer eine Farbkarte oder eine Musterkachel des Herstellers als Maßstab nimmt, sollte deshalb wissen, dass diese in aller Regel auf hellem Scherben entstanden ist.
Bei Porzellanmassen kommt dazu, dass sie hoch gebrannt werden. Dort ist nicht mehr jede Glasur einsetzbar - die PRO-Serie reicht mit ihrem Brennbereich bis 1280 °C und ist auch für Porzellanmassen freigegeben, klassische Irdenware-Glasuren dagegen nicht.
Wenn der Ton nicht mitreden soll, gibt es einen zweiten Weg: Man legt eine eigene Farbschicht dazwischen. Genau das ist eine Engobe - eingefärbter Ton, der deckend auf den Scherben kommt, bevor die Glasur folgt.
Damit lässt sich auf dunklem Ton ein heller Grund herstellen, auf dem eine halbtransparente Glasur wieder so wirkt wie auf weißem Scherben. Besonders die Steinzeug-Engoben der Edition sind dafür gemacht: Sie decken auch auf dunklem Ton. Wie sie verarbeitet werden, steht im Beitrag über Engoben und die Edition.
Neben der Deckkraft gibt es einen zweiten Regler, der über die Sichtbarkeit des Tons entscheidet: die Endtemperatur. Je höher gebrannt wird, desto vollständiger schmilzt die Glasur aus - und desto glasiger und durchscheinender wird sie.
Bei den PRO-Glasuren lässt sich das an einer einzigen Farbe durchspielen: Bei 1050 °C sitzt sie als nahezu deckende Schicht auf dem Scherben, bei 1150 °C wird sie halbtransparent, bei 1250 °C glasig. Eine Glasur, die bei niedriger Temperatur jeden Untergrund zudeckt, lässt ihn im Hochbrand also durchscheinen.
Am deutlichsten wird das bei Tonen mit Struktur. Auf einem Sprenkelton, dessen dunkle Punkte erst im Brand hervortreten, ist bei 1050 °C von der Sprenkelung nichts zu sehen; bei 1150 °C beginnt sie durchzukommen, bei 1250 °C steht sie klar in der Oberfläche. Wer diesen Effekt will, wählt nicht nur eine Glasur, sondern ein Zusammenspiel aus Ton, Glasur und Temperatur.
Aus alledem folgt eine einzige praktische Konsequenz: Das Musterplättchen im Katalog ist auf einem bestimmten Ton bei einer bestimmten Temperatur entstanden. Deine Kombination ist eine andere.
Der Aufwand ist überschaubar und die Ausbeute hoch. Roll eine Platte deines Tons aus, schneide fünf oder sechs Kacheln, schrühe sie mit und glasier sie mit den Farben, die du planst - eine Hälfte einmal, die andere zweimal aufgetragen. Nach einem Brand weißt du, wie deine Glasuren auf deinem Ton aussehen, und du siehst obendrein den Unterschied zwischen den Schichtdicken.
Notiere auf der Rückseite Nummer, Schichtzahl und Temperatur. Ohne Beschriftung ist die schönste Musterkachel in drei Monaten wertlos.
Aus all dem folgt kein Verzicht auf dunkle Tone, sondern eine andere Reihenfolge beim Planen. Statt die Glasur zuerst zu wählen und dann zu hoffen, entscheidest du in dieser Folge:
Diese Reihenfolge klingt umständlich und dauert zwei Minuten. Sie verhindert den häufigsten Frust im Regal: eine Dose, die auf dem eigenen Ton nie das ergibt, wofür sie gekauft wurde.
Wenn du nur wissen willst, ob eine bestimmte Glasur auf deinem Ton funktioniert, brauchst du keine Testreihe. Ein einziges Plättchen reicht, wenn du es richtig anlegst.
Roll ein Stück deines Tons flach aus und schneide ein Rechteck von etwa fünf mal acht Zentimetern. Ritze eine Linie quer über die Mitte und drücke am Rand eine kleine Struktur ein - ein Muster, eine Kante, irgendetwas mit Vertiefung. Nach dem Schrühbrand glasierst du die eine Hälfte zweimal, die andere dreimal.
Nach dem Brand siehst du an einem Stück vier Dinge auf einmal: die Farbe auf deinem Ton, den Unterschied zwischen zwei und drei Schichten, wie sich die Glasur in der Vertiefung sammelt und ob sie an der Kante abläuft. Das ist mehr Information, als jede Farbkarte liefern kann - und sie gilt für deinen Ofen.
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